#GemeinsamDurchDieKrise: 10-Punkte-Programm für einen funktionierenden Immobilienmarkt<span class="wtr-time-wrap after-title"><span class="wtr-time-number">5</span> min Lesezeit</span>

#GemeinsamDurchDieKrise: 10-Punkte-Programm für einen funktionierenden Immobilienmarkt5 min Lesezeit

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Führende Verbände und Unternehmen der Immobilienbranche initiieren in Zeiten sozialer Distanz die Transformation für einen digitalen Immobilienmarkt

Ungewöhnliche Zeiten erfordern starke Allianzen. Angesichts der Corona-Pandemie haben sich führende Verbände und Unternehmen der Immobilienbranche zusammengeschlossen, um die digitaleTransformation des Immobilienmarkts voranzutreiben. Im Kern geht es der Initiative darum, die Funktionsfähigkeit der Immobilienwirtschaft zu gewährleisten. Dem Schulterschluss gehören der Bundesverband für die Immobilienwirtschaft (BVFI), eBay Kleinanzeigen, Flowfact, der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW), ImmoScout24, Immowelt,der Immobilienverband Deutschland (IVD), Sprengnetter, der Verband der Immobilienverwalter Deutschland (VDIV Deutschland) und der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) an. Nach einem Anstoß von ImmoScout24 hat die Branchen-Allianz ein 10-Punkte-Programm für einen Modernisierung- und Digitalisierungsschub der Immobilienbranche entwickelt.

In einem Positionspapier zeigen die Verbände und Unternehmen unter dem Hashtag #GemeinsamDurchDieKrise Wege auf, wie eine erfolgreiche Digitalisierung der Branche, der Prozesse und der Services im Bereich des Baus und der Immobilientransaktionen gelingen kann. Dafür suchen sie die Unterstützung des Gesetzgebers sowie von Bund, Ländern und Kommunen. Denn nur gemeinsam ist es möglich, einen Markt-Stillstand in Folge der Corona-Pandemie und dadurch entstehende volkswirtschaftliche Schäden zu verhindern.

„Angesichts der Corona-Pandemie zeigt sich verstärkt, dass die Schritte und Abläufe im Rahmen der Ver- und Anmietung ebenso wie beim Kauf und Verkauf einer Immobilie bislang viel zu bürokratisch, analog und offline sind. Wir haben uns zusammengeschlossen, da wir in der aktuellen Situation mehr denn je zusammenhalten müssen, um alle Branchenteilnehmer bestmöglich für die Zeit während und nach der Krise zu wappnen. Wenn wir den Immobilienmarkt für alle Marktteilnehmer auf dem dynamischen Niveau von vor Corona aufrechterhalten wollen, müssen wir Regulierung und Abläufe schnell und vehement der veränderten Situation anpassen“, erklären die Branchen-Experten.

Die Unternehmen und Verbände leisten in Form von verschiedenen Sofortmaßnahmen und innovativen Produkten einen wesentlichen Beitrag, den deutschen Immobilienmarkt in der Krise robust und stabil zu halten. So sind Nachfrage, Angebote und Immobilienpreise stabil geblieben, die Marktdynamik ist vorhanden. Davon profitieren Mieter, Eigentümer, Vermittler und Verwalter gleichermaßen. Zur Unterstützung der Wirtschaft hat auch die Politik in einem beeindruckenden Tempo eine Fülle von Gesetzen und Verordnungen auf den Weg gebracht.

Dennoch sieht der Zusammenschluss der Branchen-Schwergewichte weiterhin dringenden Handlungsbedarf: „Wohnen ist ein Grundbedürfnis. Immobilien sind ein wesentlicher Baustein der Altersvorsorge. Für eine gesunde und starke Volkswirtschaft brauchen wir eine genauso gesunde und stabile Immobilienwirtschaft. Die aktuellen Herausforderungen sind nicht nur temporär, sondern werden zurneuen Normalität. Im Interesse aller Marktteilnehmer – Immobiliensuchenden, Eigentümern, Maklern und Verwaltern – müssen wir darauf geeignete Antworten finden. Digitale Lösungen funktionieren kontaktlos und werden die Abläufe stark vereinfachen und beschleunigen. Nur mit einem Digitalisierungsschub können wir die Funktionsfähigkeit des Immobilienmarktes weiterhin sicherstellen.

Um kontaktlose, digitale Lösungen umzusetzen und flächendeckend anbieten zu können, sind Politik und Verwaltung an vielen Stellen gefordert, die rechtlichen und administrativen Rahmenbedingungen zu schaffen – so bei den Baugenehmigungen, der Anpassung des Widerspruchsrechts, der Einsicht in die Grundbuch-Unterlagen, der Präsenzpflicht bei notariellen Beurkundungen, Eigentümerversammlungen sowie digitalen Antragsverfahren

.Die Allianz #GemeinsamDurchDieKrise lädt die Vertreter von Politik und Verwaltung ebenso wie Verbraucherschutz und Eigentümerverbände herzlich zu einem persönlichen, virtuellen Austausch ein und stellt folgende Punkte zur Diskussion.

10-Punkte-Programm für einen funktionierenden Immobilienmarkt

In einem 10-Punkte-Programm hat der Zusammenschluss die essenziellen Schritte definiert, die zusammen von Politik und Wirtschaft zeitnah umgesetzt werden müssen.

1. Um der akuten Wohnungsnot entgegenzuwirken, müssen Länder und Kommunen Baugenehmigungsverfahren digitalisieren und beschleunigen. Nur so kann die Bautätigkeit fortgesetzt und neuer Wohnraum für die Menschen geschaffen werden.

2. Um das Antrags- und Bewilligungsverfahren zu beschleunigen, müssen Bürgerinnen und Bürger das Wohngeld online beantragen können. Nur wenn das Wohngeld schnell fließt, können Vermieter auch ihren Verpflichtungen gegenüber Mitarbeitern oder Vertragspartnern nachkommen.

3. Die Immobilienwirtschaft verpflichtet sich dazu, persönliche Wohnungsbesichtigungen auf ein Minimum zu reduzieren und virtuelle Besichtigungen massiv auszubauen. Trotzdem müssen Wohnungsbesichtigungen weiter möglich sein. Der Gesetzgeber sollte das Widerrufsrecht bei Mietverträgen im Fernabsatz dahingehend anpassen, dass Vertragsparteien nicht von einem Mietvertrag zurücktreten können, weil sie das Objekt nur virtuell besichtigt haben.

4. Der Markt benötigt weiterhin den Zugang zu verantwortungsvollen Finanzierungen. Auch hier gilt, dass alle notwendigen Schritte zu einer Kredit- oder Hypotheken-Zusage idealerweise in digitaler Form und ohne persönlichen Kontakt möglich sein müssen. Ähnliches gilt für die Besichtigungen im Zuge von Immobilienbewertungen.

5. Institutionen, Behörden und Ämter sollten Zugang zu allen Transaktionsunterlagen wie Grundbucheinträgen in digitaler Form gewährleisten.

6. Die Immobilienbranche verpflichtet sich, Rechtsgeschäfte in digitaler Form zu ermöglichen und zuvereinfachen. Dafür stellt sie weiter auf papierlose Bewerbungs- und Vertragsunterlagen um.
7. Die Beurkundung von Kaufverträgen ist essenziell für einen funktionierendenImmobilienmarkt. Gesetzgeber und Notarkammern müssen daher notarielle Beurkundungenabsichern und auch hier digitale Lösungen zum Einsatz kommen lassen.

8. Zur Ermöglichung der rechtssicheren, digitalen Übergabe von Miet- und Kaufgegenständen setzt sich die Immobilienbranche zum Ziel, gemeinsame Mechanismen zu entwickeln. Diese Verfahren sollten sowohl die Wohnungs- bzw. Schlüsselübergabe, die Endabnahme einer Wohnung wie das Ablesen von Zählerständen und Umzüge abdecken.

9. Was für Vereins- und Aktienrecht gilt, sollte auch im Wohnungseigentumsrecht angewendetwerden: Der Gesetzgeber sollte daher Eigentümerversammlungen auch online ermöglichen.

10. Die Immobilienbranche setzt sich für die Förderung und den Ausbau digitaler Online-Schulungen als Weiterbildungsnachweis für Immobilienvermittler, Makler und Immobilienverwalter ein.